Joachim Lilla: Staatsminister, leitende Verwaltungsbeamte und (NS-) Funktionsträger in Bayern 1918 bis 1945

Fries, Konrad

Aus Staatsminister, leitende Verwaltungsbeamte und (NS-) Funktionsträger in Bayern 1918 bis 1945
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Dr. oec. publ.

* 15.07.1898 Wassertrüdingen / BA Dinkelsbühl, † 25.05.1983 in Nürnberg; kath.

Volksschule und humanistisches Gymnasium in München, Oktober 1916–Dezember 1918 Kriegsdienst, zuletzt als Leutnant (5. bay. Feldartillerieregiment; später Leutnant d.R. beim 17. Artillerieregiment Nürnberg). 1919 Teilnahme an den „Frühjahrkämpfen“ (wohl Niederschlagung der Münchner Räterepublik), 1919–1922 Studium der Rechtswissenschaften und der Nationalökonomie in München, März 1922 1. juristische Prüfung, Frühjahr 1923 Promotion summa cum laude (Diss.: "Die Dezentralisation der Industrie mit besonderer Berücksichtigung der Standortverhältnisse Bayerns" [Druck 1926]), ab März 1922 Vorbereitungsdienst bei Gerichten, Verwaltungsbehörden und Rechtsanwälten in München, November 1924 und Mai 1925 große juristische Staatsprüfung in zwei Teilen.

01.12.1925 Regierungsassessor bei der Regierung von Oberfranken, wegen Studienreise nach England Dienstantritt zum 01.01.1926. 16.03.1927 dem Landesversicherungsamt zur Dienstleistung zugewiesen, 16.04.1928 Titel und Rang eines Regierungsrates, 01.12.1928 Bezirksamtmann in Landau a.d.Isar, 22.04.1933 Versetzungsgesuch auf eine Stelle in der inneren Verwaltung einer größeren Stadt, 01.08.1933 Regierungsrat bei der Polizeidirektion Nürnberg- Fürth. Später Leiter der Abteilung III (Verkehr)[1]. 29.05.1937 Antrag auf Entlassung aus dem Staatsdienst, 10.07.1937 Entlassung aus dem Staatsdienst bei sofortiger Übernahme als städtischer Rechtsrat in Nürnberg, in nichtöffentlicher Sitzung am 03.08.1938 Bestellung auf zwölf Jahre zum Stadtrechtsrat (weiterer hauptamtlicher Beigeordneter) in Nürnberg.

Mit Dienstantritt ab 01.10.1938 Leiter des neu geschaffenen städtischen Dezernats XI „Wehrangelegenheiten, Luftschutz und Ernährungsamt“. Maßgeblich beteiligt am Ausbau der Luftschutzeinrichtungen in Nürnberg, u. a. der sogenannten Kunstbunker im Nürnberger Burgfelsen; Mitwisser der am 31.03.1945 auf Anweisung von Oberbürgermeister Willy Liebel (1897-1945) erfolgten Einmauerung von Teilen der Reichskleinodien (Krone, Zepter, Reichsapfel, Reichsschwert) an einem anderen Ort.

20.04.1945 verhaftet und in den Frankfurter Raum verbracht, 06.08.1945 nach Nürnberg rücküberstellt, 17.08.1945 durch die Militärregierung vom Amt suspendiert, später wegen Falschauskunft und angeblicher Unterstützung einer nationalsozialistischen Widerstandsbewegung zu fünf Jahren Gefängnis und 25000 Reichsmark Geldstrafe verurteilt, hiervon 20 Monate verbüßt[2]. Durch Urteil der Spruchkammer vom 17.03.1948 in die Gruppe IV ("Mitläufer") eingestuft, zu zahlende Geldsühne 600 RM spätere Niederschlagung der Geldstrafe. Nach der Haftentlassung als freier Rechtsanwalt und zeitweiliger Geschäftsführer zweier Wohnungsbaugesellschaften in Nürnberg tätig. Bis 31.03.1951 ohne städtisches Amt, anschließend Beamter zur Wiederverwendung mit Anspruch auf Übergangsgehalt nach achtjähriger Wartezeit und Titel „Stadtrat a.D.“. Aufgrund von Sparmaßnahmen keine tatsächliche aktive Tätigkeit mehr im städtischen Dienst. 01.11.1960 Ruhestand.

01.08.1935 NSDAP (Nr. 3.692.168).

Q.: BayHSTA Personalakt MInn 80541; StadtA Nürnberg C18/II Nr. 9732; Münchener Jahrbuch 1934; Fries 1979; Heigl 2005, S. 45-61; Kunze 1995, S. 46-49 & 314f.; Schramm 1983; Seiderer 2004, S. 248ff.; schriftliche Auskunft Dr. Marianne Strehle-Fries, 04.03.2021.


Weitere Informationen:

Empfohlene Zitierweise: Joachim Lilla: Fries, Konrad, in: ders.: Staatsminister, leitende Verwaltungsbeamte und (NS-)Funktionsträger in Bayern 1918 bis 1945, URL: https://verwaltungshandbuch.bavarikon.de/Fries, Konrad (21. Januar 2022).


  1. In dieser Eigenschaft gemeinsam mit Hans Klenk Bearbeiter des „Nürnberger Verkehrsbilderbuchs“ (Nürnberg, 1935).
  2. Fries und sein Mitwisser, der Nürnberger Leiter des städtischen Hochbauamts, Heinz Schmeißner (1905-1997), hatten zunächst gegenüber amerikanischen Kunstschutzoffizieren ausgesagt, vom Verbleib der fehlenden Reichskleinodien nichts zu wissen. Im Verhör durch den Kunstoffizier Lt. Walter W. Horn (1908-1995) gab Fries dann das Versteck der vermissten Insignien preis. Laut eines Gutachtens von Horn vom 14.08.1945 hätte es von Seiten Heinrich Himmlers den Plan gegeben, die Reichskleinodien, insbesondere die Reichskrone, zu verstecken, um sie nach dem verlorenen Krieg als Symbole einer nationalsozialistischen Widerstandsbewegung zu verwenden. Fries und Schmeißner hatten sich damit in den Augen der Anklage auch eines politischen Vergehens schuldig gemacht, was in der Folge zum vergleichsweise harten Urteil führte. Diese politische Dimension haben Fries und Schmeißner im Prozess wie danach stets bestritten.